Hermann Gahr und Vertreter des Tiroler Schafzuchtverbandes

NR Gahr und Schaftzuchtverband ziehen Bilanz: „Wolfsrisse erschüttern Almbauern“

11. September 2019

Forderung nach einer wolfsfreien Zone für Tirol

 Am 11. September lud der Schafzuchtverband unter Obmann Michael Bacher zu einem gemeinsamen Pressegespräch mit Nationalrat Hermann Gahr (ÖVP) auf den Hof des Bauern Thomas Wegscheider in Oberperfuss. Wegscheider ist ein betroffener Schafbauer, der seine Tiere aufgrund der Wolfsübergriffe im heurigen Jahr vorzeitig von der Alm holte. NR Gahr und Obmann Bacher formulierten eine klare Forderung: Tirol muss zur wolfsfreien Zone erklärt werden und der Schutz für Nutz- und Haustiere muss gewährleistet werden!

 Oberperfuss. Der Tiroler Schafzuchtverband hat 2.000 Mitglieder und insgesamt gibt es in ganz Tirol über 80.000 Schafe. „Mittlerweile wird unter den Züchtern die Verunsicherung immer größer, denn nach und nach lassen sich die ersten Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe in den dicht besiedelten Alpenraum erkennen“, zeigt sich der Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes, Michael Bacher, sehr besorgt. Der heurige Almsommer zeigt, dass der Wolf bereits Schäden angerichtet hat. „Eine große Anzahl von Schafen wurde heuer von Wölfen qualvoll gerissen. Wo bleibt hier das Tierwohl und der Schutz für unsere Nutz- und Haustiere“, fragt sich der Abgeordnete zum Nationalrat Hermann Gahr.

 

Allein in Tirol gibt es rund 2.100 bewirtschaftete Almen, die sich auf 380.000 ha Fläche verteilen. Dort verbringen jedes Jahr um die 32.000 Kühe, 77.000 Stück Jungrinder, 3.100 Pferde, 80.000 Schafe sowie 5.900 Ziegen den Sommer. Es lassen sich bereits erste Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe in unserem dicht besiedelten Alpenraum sowie bei unseren bewirtschafteten Almen und Bergwiesen erkennen. Immer mehr Landwirte überlegen, ihre Tiere im Tal zu lassen, da sie ihre Haus- und Nutztiere nicht hilflos den Wölfen aussetzen möchten. Einer davon ist Thomas Wegscheider: „Es bestehen von Haus aus schon viele Gefahren für die Züchter, wie beispielsweise Blitz- und Steinschläge im Almsommer, bei denen die Schafe verenden. Ich möchte nicht auch noch erleben, dass unsere Schafe von Wölfen qualvoll gehetzt und gerissen werden“.

 

Nicht zu verkennen, ist der unverzichtbare Beitrag der Landwirtschaft zur Artenvielfalt in den Bergregionen. „Man muss sich einmal vor Augen führen, dass durch Weide- und Almvieh unser Lebensraum erhalten und geschützt wird. Den Tierschützern muss sich endlich bewusst werden, dass es unmöglich ist, alle unsere Almen und Wiesen im Hochgebirge und im steilen, abschüssigen Gelände komplett einzuzäunen! Verabschieden wir uns von dieser realitätsfremden Utopie“, fordert Gahr und sichert den Bauern seine volle Unterstützung zu.

Um der Wolfsproblematik Herr zu werden, braucht es laut Obmann Bacher rechtliche Möglichkeiten, um Problemwölfe entnehmen zu können: „Der Schutzstatus des Wolfes muss gesenkt werden! Wir brauchen kein Wolfsrudel bei uns in Tirol!“ Hermann Gahr gibt zu bedenken, dass der Wolf nicht nur Auswirkungen für Schafzüchter hat: „Wölfe sind für Menschen, Tiere, Tourismus, sowie für unsere flächendeckende und kleinstrukturierte Alm- und Landwirtschaft eine enorme Bedrohung. Wie zahlreiche Beispiele in Österreich zeigen, verlieren die Wölfe immer mehr die Scheu vor den Menschen. Sie kommen Siedlungen, Höfen und sogar Hotelanlagen gefährlich nahe. Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn wir in Zukunft unsere Almen weiter als Weidefläche für unsere Tiere, sowie als Freizeit- und Erholungsgebiet nutzen wollen.“

Auch Herdenschutzmaßnahmen sind für die drei Herren keine Option: „Ein absoluter Schutz kann nur dann gewährleistet werden, wenn wir die Rückkehr der Wölfe in unseren Gebieten verhindern“, so das abschließende Statement von Gahr, Bacher und Wegscheider.