Der Wolf vor der Haustüre. Genau auf diesem Platz hat der Bergbauer Hans-Peter Kircher das Raubtier am Freitag, 15. Mai gesehen. Bild: © privat

Wolf im Zillertal: Hechenberger und Gahr fordern Senkung des Schutzstatus

18. Mai 2020

Raubtiere haben jegliche Scheu vor den Menschen verloren

Diesen 15. Mai wird der Landwirt Hans-Peter Kircher sicher niemals wieder vergessen. „Um 7 Uhr früh ging ich von meinem Wohnhaus in Richtung Stall. Auf einmal stand ein ausgewachsener Wolf vor mir. Das Raubtier spazierte seelenruhig am Hof umher und zeigte keinerlei Scheu. Ich konnte das Tier zum Glück fotografieren, somit habe ich einen eindeutigen Beweis“, erzählt der Bergbauer aus Bruck am Ziller.

Der Tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident und Abg. z. NR Ing Josef Hechenberger machte am Sonntag mit seinem Bauernbund-Abgeordneten-Kollegen Hermann Gahr einen Lokalaugenschein am Hof der Familie Kircher. Gemeinsam wurden die Wolfssichtung und die damit verbundenen Folgen besprochen. Kircher ruft dazu auf, das Thema Wolf nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Ziegen unserer Kinder bleiben ab sofort im Stall. Wir sind verunsichert und geschockt und haben natürlich auch Angst um unsere Kinder und unsere Tiere. Für uns war der Wolf immer weit weg, jetzt steht er plötzlich vor unserer Haustüre, nur wenige Minuten vom Dorf entfernt. Niemals hätten wir uns gedacht, dass ein Raubtier auf unserem Hof umherstreunt. Ich erwarte mir, dass die Politik Maßnahmen setzt, um die Ausbreitung der Wölfe zu unterbinden“, bekräftigt Kircher.

Für Josef Hechenberger ist klar, dass eine weitere Ausbreitung von Wölfen in Tirol sich wesentlich auf die Landwirtschaft, den Tourismus und den ländlichen Raum auswirken wird: „Die Almwirtschaft, wie wir sie jetzt kennen, wird es dann nicht mehr geben. Die damit verbundene Infrastruktur, die Einheimische wie Gäste gleichermaßen nutzen, ist damit ebenfalls in Gefahr. Viele Regionen haben mit der ungehinderten Ausbreitung des Wolfes Probleme, hier braucht es endlich eine europaweite Betrachtung und entsprechende Maßnahmen“, betont der Tiroler.

Gerade der Vorfall am Bruckerberg zeigt, dass es klare Spielregeln und rechtliche Sicherheit im Problemfall braucht. „Diese Wolfssichtung zeigt uns, dass die Raubtiere jegliche Scheu vor den Menschen verloren haben. Sie streunen mittlerweile schon auf Höfen und bewohnten Gebieten umher und werden somit zu einer ernst zu nehmenden Gefahr für die Bevölkerung des ländlichen Raumes“, stellen Gahr und Hechenberger fest.

Seit Jahren ist Forum-Land Obmann Hermann Gahr in Sachen Wolf politisch aktiv, dazu hat er bereits mehrere Petitionen in den Nationalrat eingebracht. „Der Wolf ist und bleibt ein Raubtier und er ist eine Gefahr für Mensch und Tier. Überall wo Wölfe auftauchen, gibt es Konflikte und Auseinandersetzungen. Die Alm- und Weidewirtschaft ist direkt und massiv von der Rückkehr der Wölfe betroffen. Zäune und Herdenschutzhunde werden das Wolfsproblem nicht lösen. Der Herdenschutz kann punktuell helfen aber niemals den Beutezug der Wölfe verhindern“, führt Gahr aus.

„Wir benötigen unbedingt eine Gesetzesänderung, damit der Schutzstatus des Wolfes gesenkt wird. Wölfe haben in Österreich keine natürlichen Feinde, dazu kommt, dass sie einen absoluten Schutzstatus genießen und bei uns ideale Lebensbedingungen vorfinden. In wenigen Jahren werden Wölfe flächendeckend in Österreich heimisch sein und auch für die Allgemeinheit zur Gefahr. Deswegen brauchen wir jetzt eine Gesetzesänderung, um unseren Lebensraum zu schützen“, bekräftigen die beiden Tiroler-Bauernbund-Abgeordneten.

Zusätzlich fordern Hechenberger und Gahr mehr Ehrlichkeit, Klarheit und Mut zu wirkungsvollen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Thema Wolf. „Besonders in den Medien und von NGOs wird ein verschönendes und verharmlosendes Bild von den Raubtieren gezeichnet. Es werden stets die positiven Aspekte beleuchtet, doch die Sorgen und Ängste der bäuerlichen Familienbetriebe werden nicht ernst genommen“.

 

„Wo der Wolf Probleme macht, braucht es legale Möglichkeiten Problemwölfe zu entnehmen. Aktuell sind wir an drei Fronten dabei, in der Wolfthematik Antworten auf die vorherrschenden Probleme zu finden. Auf EU-Ebene müssen wir Verbündete finden, um den Schutzstatus zu senken. National müssen wir Verständnis schaffen und politische Mehrheiten finden, um wolfsfreie Zonen zu schaffen. Aber auch die Länder sind hier gefordert, Schäden von den großen Beutegreifern müssen schnell und unbürokratisch abgegolten werden“, so Hechenberger und Gahr abschließend.