Unsere Almen sind das Gesicht Tirols

Am Mittwoch fand auf der Falkaunsalm im Kaunertal ein von Bundesratspräsident Dr. Peter Raggl initiierte „Almgipfel“ statt. Mit LH Günther Platter diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium über die Zukunft der heimischen Almwirtschaft.

Mit rund 100.000 Rindern, 30.000 Milchkühen, 3000 Pferden, 65.000 Schafen, 6.000 Ziegen, die sich auf über 2000 Almen befinden, ist Tirol der klare Spitzenreiter, was die Almbewirtschaftung angeht. „Almen spielen in Tirol eine ganz besondere Rolle. Auch wenn die Bewirtschaftung mit einem enormen Mehraufwand für unsere Bauernfamilien verbunden ist, so ist diese besondere Art der Haltungsform auch mit mehr Tierwohl und Tiergesundheit verbunden“, so Raggl weiter. „Unsere Almen sind keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft. Es muss uns allen bewusst sein, dass ohne dem Einsatz der Bauern unser Land nicht so wäre, wie es jetzt ist – touristisch interessant, pulsierender Lebensraum für die ländliche Bevölkerung in den Talschaften und schützend vor Naturgefahren.“

Was wir wirklich wollen … und brauchen
Braucht es Erdbeeren im Winter? Das Steak aus Argentinien? Speisekarten, die umfangreicher als Telefonbücher sind?

„Wir leben in einer Zeit, in der wir immer mehr und noch mehr brauchen und dabei das Wesentliche – den Inhalt und die Qualität – komplett in den Hintergrund rücken“, so Seppl Haueis, der besonders im Tiroler Oberland als ein Botschafter der Regionalität gilt. Er setzt bereits in den Schulen an: „Regionalität ist in der Praxis nur umsetzbar, wenn sie von den Verantwortlichen gelebt wird. Deswegen gehört der Mehrwert heimischer Produkte zum Lehrplan in Berufsschulen und Landeslehranstalten.“ Simon Wolf, der Obmann von BioAlpin, führte den Aspekt der Ehrlichkeit an: „Einheimische und Gäste wünschen sich Heimat und Regionalität auch auf dem Teller. Es liegt an uns allen, Netzwerke aufzubauen, um heimische Erzeugnisse ehrlich und in bester Qualität bis auf die Teller bringen. Dazu zählt auch die Ehrlichkeit, denn geschrieben ist Regionalität schnell. Unsere Gäste informieren sich akribisch und fragen immer öfter auch nach, woher ihr Essen kommt.“ Der Obmann des TVB Tiroler Oberland, Armin Falkner, sprach offen über die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit im Tourismus: „Auf unseren Almen sehen die Menschen, die Geschichte hinter dem Erzeugnis, weil man die Produktionskreisläufe vor Ort nachvollziehen kann.“

Rahmenbedingungen müssen passen
„Unsere Almen sind Sehnsuchtsorte. Sie eröffnen Freiheit für viele Menschen und somit sind Tourismus und Landwirtschaft wie Zwillinge untrennbar miteinander verbunden. Mein besonderer Dank gilt allen Almbauern in diesem Land“, so LH Günther Platter. Er sieht eine funktionierende Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft als wichtige Grundlage für lebendige und lebenswerte Talschaften. „Es muss für uns ein absolutes Muss sein, dass regionale Produkte im Vordergrund stehen. Dafür spricht sich auch das Land Tirol aus. Die Almen sind das Gesicht Tirols und wenn sie gut bewirtschaftet werden, so hat das eine Strahlkraft weit über die Grenzen hinaus!“

LHStv. Josef Geisler ergänzt: „Es gibt unter anderem über die Agrarmarketing wichtige Projekte, die dazu beitragen, Regionalität zu professionalisieren.“ Geisler warnt jedoch vor der Rückkehr großer Beutegreifer. „Durch die Rückkehr dieser Raubtiere sind unsere Almen massiv gefährdet. Ich möchte auch gerade in dieser Runde anmerken, dass unsere Almen verschwinden werden, wenn der Wolf kommt“, fand Geisler klare Worte. Heuer wurden bereits über 250 Tiere von Wolf und Bär gerissen, rund 2000 Tiere wurden von den Almen ins Tal gebracht. „Diese Entwicklung trifft zuerst die Bauern am massivsten, jedoch sitzen auch Tourismus und Wirtschaft im selben Boot.“

Im Rahmen des Almgipfels präsentierte der Sektionschef für Landwirtschaft im BMLRT, Johannes Fankhauser, die aktuellen Entwicklungen rund um die Verhandlungen des aktuellen EU-Finanzrahmens. „Tirol und Vorarlberg spielen in der Almbewirtschaftung österreichweit eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren konnten wir jedoch Rückgänge bei den Bewirtschaftern beobachten und diesem Trend gilt es gegenzusteuern, in dem unseren Bauern Leistungen, die sie für die Allgemeinheit erbringen, abgegolten werden. „Unsere Almen sind keine Selbstverständlichkeit.“

Regionalität muss zum Erfolg führen
Abschließend hält Raggl fest: „Es ist ein Muss, dass wir auf den 2. Stock unseres Landes Tirol sehr gut aufpassen und eine Chancengerechtigkeit hergestellt wird. Zum einen müssen die Rahmenbedingungen für unsere Bauern passen, damit sie hochwertigste Erzeugnisse produzieren können, zum anderen muss es jedoch auch gelingen, diese Produkte so zu vermarkten, dass sie zum Geschäftsmodell für alle werden.“ Was die Verfügbarkeit der Produkte betrifft, sprach sich Raggl abermals für einen nicht zu engen Begriff von Regionalität aus: „Wir haben in ganz Österreich Bauern, die beste Erzeugnisse produzieren.“