Regionalität bietet gute Zukunftsaussichten

15. Juni 2018

Das Seniorenzentrum Zams-Schönwies schwört auf regionale Produkte in der Küche. Es ist ein enormer Mehrwert für die Bewohner und die ganze Region.

 

Gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet Dominik Traxl den „Erbhof Traxl" in Grist am Zammerberg. Der Hof ist sieben Hektar groß und es leben dort 16-20 Rinder, davon sind fünf Melkkühe im Stall. Aus der gewonnenen Milch produziert Traxl Natur- und Fruchtjoghurt und pasteurisierte Milch für das Seniorenzentrum Zams-Schönwies. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb, den wir im Nebenerwerb bewirtschaften", so Traxl, der als Lehrer arbeitet. „Man bekommt hier in der Region mit, dass das Seniorenzentrum besonders viel Wert auf heimische Produkte legt und da habe ich direkt den Kontakt zu Toni Pircher gesucht und wir sind uns sehr schnell einig geworden", so Traxl zum Anfang der Zusammenarbeit. „Ich habe mich voll und ganz auf die Zusage von Pircher verlassen können und somit haben wir entschieden am Hof die nötigen Investitionsmaßnahmen zu verwirklichen, damit wir Produkte in höchster Qualität erzeugen können. Für mich steht die Qualität über der Quantität und durch die Kooperation mit dem Zentrum, kann ich meine Einstellung in meinen Produkten verwirklichen", schildert Traxl, der nicht nur leidenschaftlicher Bauer und Lehrer ist, sondern seit Dezember auch Landesobmann der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend. „Der Mehrwert bleibt nun am Hof und auf dem Teller der Bewohner. Mir war es immer wichtig, dass ich unseren Hof zukunftsfit und innovativ aufstellen kann. Jetzt haben wir als Bauernfamilie eine bessere finanzielle Situation und die Konsumenten eine sehr große Zufriedenheit mit dem Produkt", so Traxl abschließend.

Mehraufwand und Mehrwert
„Unsere Betriebsküche produziert jährlich ca. 26.000 Essen und wir sind besonders stolz darauf, dass wir auf unserer Lieferantenliste nicht nur einen einzigen Großanbieter haben, sondern eine Vielzahl an Klein- und Kleinstproduzenten direkt aus der Heimat unserer Bewohner", schildert Heimleiter Toni Pircher die Essensphilosophie des Hauses. Gemeinsam mit Küchenchefin Christine Schranz hat das Seniorenzentrum nach und nach Produzenten gefunden, die sie beliefern. „Gerade vorhin hat sich eine Gansl-Bäuerin bei mir gemeldet und wir wissen jetzt schon, dass es heuer acht Martini-Gansl geben wird obwohl die Küken erst geschlüpft sind", schildert Pircher. Die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern bedeute jedoch auch Mehraufwand. „70% unserer Speisen sind komplett regional. Das bedeutet mit sehr vielen Lieferanten in Kontakt zu bleiben und in unserer Küche nicht nur Gustostückerl und eben das zu verwenden, was auf unseren Feldern gerade wächst. Es gibt nicht immer alles und umgekehrt haben wir zur Erntezeit frischeste Produkte, die wir vielfältig weiterverarbeiten", so Schranz. „Wenn sich ein Produzent bei uns meldet und uns Produkte anbietet, dann leiten wir das auch an unsere MitarbeiterInnen weiter damit auch sie für ihre Familien mitbestellen können, das ist dann ein Mehrwert auch für unsere Mitarbeiter im Haus", schildert Schranz. „Familie Traxl hat uns gleich zu Beginn gesagt, dass sie ihre fünf Kühe im Sommer auf die Alm bringt und unser kleiner Bäcker kann am Sonntag kein frisches Brot liefern –auch das gehört zur Regionalität. Ich will, dass diese fünf Milchkühe ihren wohlverdienten Sommerurlaub haben und wir backen, genau so wie der Großteil der Bevölkerung im Bezirk unser Sonntagsbrot einfach im Ofen auf. Soviel Flexibilität braucht es eben, wenn man mit Kleinerzeugern zusammenarbeitet", meint Pircher. Als besonders positiv bewerten Schranz und Pircher die Entwicklung in den letzten Jahren. „So wie Dominik melden sich immer mehr Bauern bei uns und bieten ihre Ware an. Es werden auch immer mehr Produkte angeboten. Beim Rindfleisch müssen wir mittlerweile sogar bremsen und Angebote ablehnen, weil es das in der Zwischenzeit schon sehr viel gibt." Luft nach oben orten die beiden was den Schweinefleisch-, Hühnerfleisch- und Fischsektor angeht. „Da sind wir noch auf der Suche nach Partnern in der Region." Abschließend meint Pircher: „Ich konnte feststellen, dass im Großteil der Fälle es sich weniger um ein Produktproblem, sondern vielmehr um ein Kommunikationsproblem handelt. Bis wir mit unseren Lieferanten in Kontakt kommen, dauert es oftmals sehr lange", so Pircher abschließend.

„Die zwei Gemeinderäte von Zams und Schönwies stehen geschlossen hinter dem Regionalitätsprojekt. Vergleicht man die finanziellen Ausgaben für Personal und sonstige Sachaufwände, dann ist der Einsatz für Lebensmittel vergleichsweise sehr gering", schildert Bundesrat Dr. Peter Raggl, der selbst Gemeinderat in Schönwies ist. „Was mir hier zu allererst einfällt ist, dass es Menschen braucht, die für Regionalität brennen. Wenn Heimleiter, Küchenchefin oder die Pflegedienstleiterin nichts für Regionalität über haben, dann ist das Projekt zum Scheitern verurteilt und die Bewohnerinnen werden am Lebensabend mit billigsten Produkten von überall her verköstigt, deswegen möchte ich mich herzlich für den Einsatz bedanken", so Raggl. „Auch bin ich froh, dass junge Bauern das Zepter selbst in die Hand nehmen und sich selbst Gedanken darüber machen, wie sie ihre Höfe zukunftsfit halten können. Hier treffen sich zwei absolute Vorzeigebetriebe und alle beteiligten Personen haben Regionalität praktisch verinnerlicht. Aus solchen Musterbetrieben lernt auch die Bevölkerung und vor allem auch die Politik. Erst letztes Jahr hat die Bundespolitik ein klares Bekenntnis zum Bestbieterprinzip abgegeben, wonach beim Lebensmittelbezug in öffentlichen Einrichtungen nicht automatisch der billigste Anbieter den Zuschlag bekommt, sondern Qualitätskriterien berücksichtigt werden und zukünftig der Anbieter mit der besten Qualität den Auftrag bekommt." Solche Bekenntnisse seien essenziell für den Fortbestand der heimischen Landwirtschaft. 1954 gab ein österreichischer Haushalt 37% für Nahrungsmittel aus, heute sind es nur noch 12%. Im Jahre 2000 musste ein Bauer 602 kg Weizen verkaufen um sich eine Mechanikerstunde zu leisten heute sind es 950 kg Weizen, die er verkaufen muss, damit er sich eine Mechanikerstunde leisten kann. „Das sind Vergleiche, die sehr gut aufzeigen wie sich unsere Lebenswelt verändert hat und eines ist dabei eindeutig: wenn wir unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft nicht am Leben erhalten, dann hat das massive Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung. Unser Lebens- und Erholungsraum wäre weder für uns noch für unsere Gäste, das, was er jetzt ist", so Raggl abschließend.

Bezirksbauernobmann Elmar Monz bedankte sich bei allen Anwesenden. „Wir Tiroler Bauern können und wollen nicht am Weltmarkt mithalten. Es gibt im Bezirk Landeck 1450 Betriebe und mir ist es als Bauernobmann wichtig keinen zu verlieren. Immer mehr junge Hofübernehmer spezialisieren sich und versuchen sich so solide Standbeine aufzubauen. Wir sind mit der Modellregion Landeck gut unterwegs und arbeiten auf Hochtouren daran, Angebot und Nachfrage noch besser zu koordinieren und die Kommunikation zu stärken", so Monz. „Wenn ich mir anschaue, dass wir von Spargelbauern und Eierbauern, über Obst- und Gemüsebau bis hin zu Fleisch-, Milch- und Käseproduktion immer mehr Sparten im Bezirk abdecken, dann blicke ich positiv in die Zukunft", so der Bezirksbauernobmann abschließend.

Foto: Wenn sich Angebot und Nachfrage treffen (vlnr.): Bezirksbauernobmann Elmar Monz, Bundesrat Dr. Peter Raggl, Landesobmann der TJBLJ und Joghurtlieferant Dominik Traxl und Heimleiter Toni Pircher mit seinem Küchenteam. Leiterin Christine Schranz (2.v.r.) und Pflegedienstleiterin Angelika Schöpf (1.v.r.)