Raketenverzicht schützt die Umwelt und erspart Tieren große Angst

19. Dezember 2019

Ihr Feuerwerk ist vielen Tirolerinnen und Tirolern fast schon heilig und gehört für manche zum Jahreswechsel wie der Christbaum zu Weihnachten. Jeder dritte Österreicher deckt sich für den letzten Tag des Jahres mit Pyrotechnikartikel ein. 57 Euro lassen sich die Hobby-Pyrotechniker diesen Spaß durschnittlich kosten - wobei dieses Geld dann am 31.12. buchstäblich in die Luft geschossen wird.

 

„Aktuell diskutieren sehr viele Menschen über Klimawandel, Plastik- bzw. Müllvermeidung, Feinstaubbelastung und generell über Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Diese sehr positive Tendenz steht jedoch im eklatanten Widerspruch zur Knallerei in der Silvesternacht", beobachtet Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl eine gewisse Schieflage. „Zu allererst spüren unsere Haus- und Nutztiere die direkten Auswirkungen dieser Feuerwerke. Durch die lauten Knalle und die schrillen Lichter wird Silvester für unsere Vierbeiner in eine wahre Angstnacht verwandelt", so Raggl. Die Nachwehen der Feuerwerke bringt dann oftmals erst das Tauwetter im Frühjahr zum Vorschein. Wenn der Jahreswechsel schon lange vorbei ist, sind es dann unsere Bäuerinnen und Bauern die oftmals Tage damit verbringen, Wiesen und Weiden von den Feuerwerkskörpern zu befreien. „Die teils messerscharfen und bis zu 5 cm großen Teile sind auf Wiesen, Weiden und Feldern schwer zu finden. Gelangen diese ins Futter bzw. Gras oder Heu stellen sie eine echte Gefahr für Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde dar und können zu Verletzungen, Krankheiten bis hin zu Todesfällen bei Tieren führen. Feuerwerke enthalten darüber hinaus Feinstaub und Schwermetallpartikel", bringt Raggl die Auswirkungen des Feuerwerkes auf den Punkt.
„Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollen dies auch bleiben. Nur sollen sie überdacht werden, wenn die negativen Auswirkungen überwiegen. Die Devise sollte deshalb auch beim heurigen Jahreswechsel lauten: weniger ist mehr. Die Menge zu reduzieren und dabei sparen, die Umwelt schützen und unsere Tiere schonen!"

Verräumen ist Mindestanforderung
„Genauso selbstverständlich, wie für manche das Feuerwerk zu Silvester gehört, sollte es auch dazu gehören, dass unmittelbar nach Neujahr die Felder vom Verursacher wieder von den Knallkörpern, Holz- und Plastikteilen gesäubert werden. Das sollte einfach die Mindestanforderung sein, wenn man schon nicht auf die Knallkörper verzichten kann bzw. möchte", so Raggl abschließend.

Einige negative Auswirkungen von Feuerwerken im Überblick:

Feinstaub
Durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht werden rund 500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. 10 Prozent des Feinstaubes, den der Verkehr während des ganzen Jahres in Österreich emittiert, werden zu Silvester durch Feuerwerkskörper verursacht. Die Feinstaubbelastung ist also in der Silvesternacht die höchste des ganzen Jahres. Um Mitternacht steigt sie auf etwa das 10-fache an. Als Grenzwert sind maximal 25 Tage mit einem Tagesmittelwert von über 50 µg/m³ zulässig. Im Gegensatz zum 01. Jänner 2019 war das Jahr 2019 richtiggehend feinstaubarm. Hauptquellen für die Emission von Feinstaub ist der Reifenabrieb beim Verkehr und die Industrie. Letztere konnte den Ausstoß durch den Einbau von Filteranlagen drastisch senken.

Was steckt in den Feuerwerkskörpern?
Zu 60-75 Prozent bestehen Feuerwerkskörper aus Hüllen, Konstruktionsteilen und Verpackungen, für die Karton, Holz, Ton und Kunststoff verwendet werden. Die restlichen 25-40 Prozent sind pyrotechnische Sätze, die überwiegend aus Schwarzpulver, einer Mischung aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel, bestehen. Für Knallen, Pfeifen und Farben sorgen sogenannte Effektsätze.

Schwermetalle
Rote, grüne, blaue Farbeffekte und noch viele mehr können beim Explodieren der Raketen bewundert werden. Schwermetalle geben dem Feuerwerk die Farben. Doch genau diese bunte Vielfalt ist für die Belastung unserer Böden oder stehender Gewässer verantwortlich. Hochgiftige Schwermetalle wie Strontium, Arsen, Blei, Selen oder Cäsium belasten unsere Umwelt enorm.

Lärmbelastung
Bis zu 170 Dezibel kann der Schalldruckpegel eines Feuerwerkskörpers erreichen. Zum Vergleich: Der Lärmpegel eines Düsentriebwerkes bei einem Abstand von 25 Meter beträgt etwa 140 Dezibel. Bei Tieren sorgt der anhaltende Lärm für Angstreaktionen und Panik, welche zu Verhaltensstörungen und sogar schweren Verletzungen führen können. Aber nicht nur Tiere leiden, sondern auch Menschen können durch laute Knaller Gehörschäden davontragen.

Tausende Tonnen Müll
Jährlich verursachen abgebrannte Knallkörper, Böller und Feuerwerksraketen große Mengen an Müll. In Summe werden 1000 Tonnen Müll zum Jahreswechsel erzeugt. „Was in der freien Natur zurück auf den Boden fällt, bleibt auch dort liegen und kann Wild- und Nutztieren gefährlich werden, wenn sie die Rückstände der pyrotechnischen Gegenstände fressen", erklärt Raggl.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen und Verletzungen
Jedes Jahr endet der Silvesterspaß für etwa 1000 Österreicher im Krankenhaus. Die häufigsten Verletzungen betreffen die Augen, Ohren und Hände. Die Feinstaubteilchen sind nur Bruchteile eines Millimeters groß und für das menschliche Auge nicht sichtbar. Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis hin zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Zu großen Teilen besteht der Feuerwerksqualm aus Feinstaub (PM – Particulate Matter, PM10). PM10 – Staubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als 10 µm (10 µm sind 10 Millionstel Meter) können beim Menschen in die Nasenhöhle und die Luftröhre eindringen, die kleineren Partikel PM2,5 (Partikel mit maximalem Durchmesser von 2,5 µm) bis in die kleinen Bronchien und Bronchiolen. Einige dieser sehr kleinen Partikel können sogar die Lungenbläschen erreichen und so auch in den Blutkreislauf gelangen.

Sachschäden
Jedes Jahr werden in Österreich durch Feuerwerke Brände verursacht. Die Schadenssummen gehen bis in die Millionen Euro.