Gegen Billigfleisch hilft nur Transparenz

28. Mai 2020

Regionale Produkte kaufen und damit heimische Produzenten unterstützen - das Einzige, was gegen die Ausbeutung von Mensch und Tier hilft.

Seit deutsche Schlachthöfe zu Corona-Brennpunkten geworden sind, wird weit über die Grenzen hinweg über dortige Arbeitsbedingungen gesprochen. Dabei handle es sich um ein Grundproblem, das lange nicht nur Deutschland betrifft, ist sich Bauernbunddirektor Bundesrat Dr. Peter Raggl sicher: „Auch in Österreich bestimmt beim Einkauf von Lebensmitteln doch oftmals nur der Preis. Egal, woher, egal, wie produziert, egal, wer darunter leidet – Hauptsache billig."

Tierschutz nicht überall so ernst genommen wie bei uns
„Wem bei den Details, die rund um die deutschen Fleischereien nach und nach aufgedeckt werden, nun auf einmal das Steak nicht mehr schmeckt, der hat lange gekonnt weggeschaut", so Raggl in einer ersten Reaktion. Der Skandal betrifft keine heimischen Schlachtbetriebe. Fakt ist aber, dass ein Großteil des Fleisches, das in Österreich konsumiert wird, aus dem Ausland kommt. Und da müsse laut Raggl vor allem eines klar sein: „Arbeits- und Tierschutzbestimmungen werden nicht überall so ernst genommen wie hierzulande und beim Preis dieser Massenprodukte können unsere heimischen Bauern nicht mithalten. Wer also Billigfleisch kauft, darf sich nicht wundern, wenn in manchen Fällen deren Herkunftsorte bzw. Produktionsstätten später in irgendwelchen Skandalen vorkommen. Kurzum: Es liegt in unserer Hand, welche Art der Landwirtschaft und welche Standards in Verarbeitungs- und Produktionsstätten wir unterstützen."

Bitte genauer Hinsehen
„Für mich ist die Situation in Deutschland und die damit losgetretene Diskussion ein Paradebeispiel dafür, dass wir bei allen Produkten, die wir konsumieren, hinterfragen sollten, woher sie kommen, wer dafür wie arbeiten musste und wer davon profitiert. Sei es beim Qualitätsfleisch aus Tirol, beim Steak aus Feedlots in Argentinien, bei der Wurst aus Polen und dem Flüssigei aus der Ukraine", sieht Raggl einen Auftrag für jeden Einzelnen von uns. „In Supermärkten funktioniert das bereits sehr gut. Hier kommen unsere Handelsketten auch sehr gewissenhaft der verpflichtenden Produktkennzeichnung nach und wir können bewusst und nachhaltig einkaufen, wenn wir es nur wollen."
Das größere Problem ortet Raggl bei der Außer-Haus-Verpflegung: „Der verantwortungsbewusste und aufgeklärte Konsument steht leider vor der Tatsache, dass sich gerade bei der Außer-Haus-Verpflegung – also in Kantinen, Mensen, im Krankenhaus, beim Bundesheer, jedoch auch beim Wirt – nicht immer nachvollziehen lässt, woher die Produkte in den verarbeiteten Speisen stammen. Auch Prädikate wie regional, heimisch und saisonal sagen noch lange nichts über Ursprung und Produktionsbedingungen aus." Dementsprechend sieht Raggl nun als nächsten wichtigen Schritt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. „Nachhaltigkeit und Regionalität dürfen in Zeiten von Corona und darüber hinaus nicht nur Lippenbekenntnisse sein, sondern müssen jetzt rasch umgesetzt werden. Das muss ein gemeinsames Anliegen von Landwirtschaft, Staat, Gastronomie und Konsumenten sein. Da bin ich mir sicher."

 

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