Hermann Gahr unterwegs im Wahlkreis

Gahr zur Mercosur-Studie der EU: Folgen für die heimische Landwirtschaft werden schöngeredet und verharmlost

8. April 2021

Regierungsparteien stimmten klar gegen Mercosur-Abkommen

Kürzlich wurde die lange angekündigte Studie zu den Folgeabschätzungen des Mercosur Freihandelsabkommens der EU veröffentlicht. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Milch- und Weinbranche profitieren, die Rindfleisch- und Zuckerbranche Nachteile erleiden sollen.

Die Rindfleischeinfuhren in die EU sollen in diesem Szenario zwischen 30 und 64 Prozent steigen. Konkret heißt das, dass zwischen 60.000 und 128.000 Tonnen Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten zollfrei in die EU geliefert werden könnten. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die Rindfleischimporte unter dem Strich weniger stark als erwartet ausgeweitet würden. Die Generaldirektion Handel spricht sogar davon, dass die Agrarwirtschaft der Union von dem Mercosur-Abkommen profitieren wird.

Ganz anders sieht das der Tiroler Bauernbund-Abgeordnete Hermann Gahr: „In dieser Studie werden die Folgen für die heimische Landwirtschaft schöngeredet und verharmlost. Gerade Österreich würde massive Nachteile durch Mercosur erleiden. Rund 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Österreich liegt im benachteiligten Gebiet und werden von Familienbetrieben bewirtschaftet. Somit kann man die Produktionsbedingungen in Österreich kaum mit anderen europäischen Ländern und schon gar nicht den Mercosur-Ländern vergleichen.“

 

Die Studie nimmt kaum Rücksicht auf die unterschiedlichen Produktionsbedingungen sowie Sozialstandards und die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt. „In Südamerika wird rund um die Hälfte billiger produziert als in Österreich. Das geht auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Wir würden mit enormen Mengen an Rindfleisch überschwemmt werden. Die Produktion in Österreich würde zurückgehen und viele Bauern würden ihre Hoftüren für immer schließen. In Südamerika sind die Sozialstandards, Tierschutzaspekte sowie die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bei Weitem nicht mit heimischen Standards vergleichbar“, so Gahr.

Fragwürdig findet der Tiroler vor allem die Einschätzung der Generaldirektion, dass es keine Bedenken hinsichtlich der Entwaldung in den Mercosur-Staaten gibt: „Diese Einschätzung ist fernab jeglicher Realität. Ich kann sich noch gut an die massiven Brände im Amazonas erinnern, anscheinend sind diese Bilder den Studienautoren nicht mehr geläufig. Täglich werden große Teile des Regenwaldes für Futterflächen und Feed-Lots für Rinder gerodet. Das hat massive Auswirkungen auf das weltweite Klima sowie die Artenvielfalt. Wir können die Lunge der Erde nicht für die Rindfleischproduktion opfern, das wir sowieso nicht brauchen. Wir müssen mehr auf Qualität anstatt auf Quantität setzen“, betont Gahr.

 

Beschluss gegen Mercosur im österreichischen Nationalrat

Im Februar sprachen sich die Regierungsparteien ÖVP und Grüne klar gegen Mercosur in der derzeitigen Form aus. Damit wird der Beschluss vom EU-Unterausschuss vom September 2019 sozusagen bekräftigt. Damals wurde beschlossen, dass sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene gegen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten aussprechen muss.

„Ich bin sehr froh, dass wir im Februar erneut den Beschluss gefasst haben, dass dieses Abkommen, wie es derzeitig vorliegt, nicht umgesetzt wird. Es bringt mehr Nachteile, als Vorteile, das ist jedem klar, der sich mit den Auswirkungen beschäftigt. Freihandelsabkommen sind grundsätzlich zu begrüßen, doch sie dürfen nicht auf den Rücken der Landwirte ausgetragen werden. Autos gegen Rindfleisch zu tauschen kommt für uns nicht infrage. Unsere hohen Lebensmittel-, Umwelt- und Sozialstandards können und werden wir nicht opfern“, so Gahr abschließend.