Hermann Gahr im Interview (c) Privat

Gahr: „Flugwetterdienst am Innsbrucker Flughafen muss erhalten bleiben“

11. April 2022

Parlamentarische Anfrage an Ministerin Gewessler wurde eingebracht

Der Anflug auf den Innsbrucker Flughafen, der zwischen hohen Bergen und Felswänden eingekesselt und mit schwierigen Windbedingungen verbunden ist, gehört zu den schwersten in Europa. Wind- und Verkehrssituation können sich sehr schnell ändern, so kann es sein, dass Piloten die Anflugsroute spontan ändern müssen. Um einen sicheren Flugverkehr zu garantieren, sind sechs Meteorologen des Flugwetterdienstes in Innsbruck im Einsatz. Diese Experten liefern den Pilotinnen und Piloten wichtige Prognosen. Laut neuesten Informationen sollen ab 2024 nun diese Fachkräfte durch Wetterstationen, die automatische Wetterdaten liefern, ersetzt werden. Diese Daten sollen dann im flugmeteorologischen Zentrum in Wien Schwechat abgerufen werden.

„Die sechs Meteorologen in Innsbruck sind für die Sicherheit der Passagiere sowie der Pilotinnen und Piloten von enormer Bedeutung. Gerade am Innsbrucker Flughafen herrschen spezielle und schwere Bedingungen. Ähnlich wie die Flughäfen London-Citiy oder Madeira wird unser Flughafen in die Kategorie C eingestuft. Das heißt, die Fluggesellschaften lassen ihre Pilotinnen und Piloten erst dann den Innsbrucker Flughafen anfliegen, wenn sie eine spezielle Ausbildung durchlaufen haben und auf die besonderen Bedingungen vor Ort eingeschult sind. Fallen nun die punktgenauen Prognosen der Meteorologen weg, bedeutet das ein großes Sicherheitsrisiko. Deswegen muss der Flugwetterdienst in Innsbruck erhalten bleiben“, fordert der Tiroler Abgeordnete und Mitglied des Verkehrsausschusses, Hermann Gahr. Um alle Sicherheitsbedenken zu klären, stellt er eine parlamentarische Anfrage an Bundesministerin Leonore Gewessler.

Auch der Sicherheitsmanager vom Innsbrucker Flughafen, Martin Fleidl äußert in einem ORF-Tirol-Interview Sicherheitsbedenken. Er fürchtet, dass die Präzision der Flugwettervorhersage abnehmen wird. Dass Sensoren erfahrene Wetterkundler ersetzen könnten, hält er für „sehr ambitioniert“.

Doch neben den Sicherheitsbedenken bei der Verlagerung der Arbeitsplätze nach Wien gibt es auch wirtschaftliche und soziale Bedenken: „Wir fürchten, dass bei unsicheren Wetterprognosen Charterflüge nicht mehr in Innsbruck landen, sondern lieber andere Flughäfen mit Flugwetterdiensten vor Ort ansteuern. Das bedeutet natürlich einen enormen wirtschaftlichen Nachteil für den Standort Innsbruck. Auch die sozialen Komponenten für die Meteorologen gilt es hier zu bedenken, denn ihre Arbeitsplätze sollen nach Wien verlagert werden. Was bedeutet das für die Arbeitnehmer, langes Pendeln, sie sind getrennt von ihren Familien und dem Heimatort, braucht es eine Zweitwohnung, wie sieht es beim Bereitschaftsdienst aus? Viele Dinge sind noch offen und bedeuten einen großen Nachteil in vielen Bereichen. Das möchte ich alles von der Ministerin beantwortet haben“, so Gahr abschließend.

Ministerin Gewessler hat bis zum 23. Mai Zeit, die Anfrage zu beantworten.

Link zur Anfrage: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/J/J_10221/index.shtml