KarpatendeutschenKARTE

Das Schicksal der Karpatendeutschen

27. Januar 2021

Karpatendeutsche: Eine Geschichte mit Hohepunkt in einen Vergebungsgottesdienst

Die Bezeichnung „Karpatendeutsche“ ist ein Oberbegriff für drei deutsche Sprachinseln in der Slowakei. Die deutschsprachigen Minderheiten waren bis 1945 dort ansässig waren. Die Siedler, die ab dem 12. Jh. in die heutige Slowakei einwanderten, kamen aus Österreich und Deutschland und erbauten zahlreiche Städte – die  meisten der heutigen slowakischen Städte sind solchen Ursprungs. Sie hatten eine selbstständige Gerichtsbarkeit und pflegte die deutsche Muttersprache, ihrer Sitten und Gebräuche.

Die Eingliederung der Slowakei in die Tschechoslowakei im Jahr 1918 brachte für das Karpatendeutschtum eine Wende zum Positiven. Die nationalen Minderheiten erhielten ein Recht auf eigene Schulen, Vereine und Presse.

Während der Weltkriege wendete sich jedoch das Blatt für die Karpatendeutschen. Sie standen zwischen den Fronten und wurden Opfer von Gewalt, Vertreibung und sogar Ermordungen. Am schlimmsten betroffen waren die Streusiedlungen und das Hauerland. Es kam zu Massenmorden in Rosenberg, Glaserhau, Schemnitz, Deutsch-Proben, Sklabiná, mit weit über 500 Toten.

Allein im Zuge des Massakers von Glaserhau im Hauerland wurden am 21. September 1944 während des Slowakischen Nationalaufstandes nach der Besetzung des Ortes durch slowakische Partisanen 187 männliche deutschsprachige Einwohner des Ortes erschossen. Zuvor wurden sie in mehreren Eisenbahnwaggons zu einem angeblichen Arbeitseinsatz in den Wald gebracht, wo sie eine Grube ausheben mussten. Danach mussten sie sich dicht gedrängt in die Grube stellen und wurden mit Maschinengewehren getötet.

Ab November 1944 begann die Evakuierung von etwa zwei Drittel der Karpatendeutschen nach Deutschland.

Eine besonders schlimme Tragödie ereignete sich in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1945 (sechs Wochen nach Kriegsende) bei dem Massaker von Prerau/Prerov (Mähren). Dort wurden 267 für Karpatendeutsche gehaltene Menschen unter dem Kommando des slowakischen Leutnants Karol Pazúr erschossen, darunter 78 Kinder (darunter drei Säuglinge im Alter von sechs, sieben und acht Monaten), 120 Frauen (darunter eine 90-Jährige) und 69 meist ältere, nicht mehr wehrdienstfähige, Männer. Zu den Opfern zählten auch Personen anderer Nationalitäten, wie Slowaken, Ungarn und eine Russin.

Nach dem Ende des Krieges kehrten viele geflüchtete Karpatendeutschen zurück in die Slowakei. Ihnen wurde jedoch die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit aberkannt. Viele von ihnen landeten in Sammellagern in Bratislava und 33.000 Deutsche wurden aus der Slowakei vertrieben.

Im Jahr 1946 gründeten fünf Heimatpfarrer in Stuttgart ein Hilfskomitee, um die vertriebenen Karpatendeutschen zu unterstützen. Neben der Zentralstelle in Stuttgart wurden Landesstellen in Württemberg, Baden, Bayern und Hessen, sowie eine Zonenstelle in Thüringen gegründet. Dieses Hilfskomitee pflegte den Kontakt zur Evangelischen Kirche A. B. in der Slowakei. Da die Karpatendeutschen großteils der Evangelischen Kirche angehörten, pflegte dieses Hilfskomitee brüderliche Gespräche über das Verhältnis von slowakischen und deutschen Protestanten nach der Vertreibung. Das führte zu einem Versöhnungsgottesdienst beim Bundestreffen 1993 in Karlsruhe, in dem Pfarrer Ondrej Prostrednik und Pfarrer Karl Skrabak gegenseitig um Vergebung baten und Vergebung gewährten.

Im Rahmen eines Projektes „Bratislava/Pressburg: Spaziergänge mit den Karpatendeutschen“ besuchten Germanistik-Studenten der Comenius-Universität das Haus der Begegnung, in dem sich die Karpatendeutschen in Wien treffen. Dort erzählte Frau Stolár-Hoffmann von ihren Erinnerungen an Orte in der slowakischen Hauptstadt. Die Studenten schrieben zu den Erzählungen literarische Texte.

Erinnerungen

Es schrieb sich das Jahr fünfundvierzig
als alle nach Wien und Leipzig
ausgesiedelt wurden.
Eine lange Strecke erwartete
die Familie der jungen Dame.
Ohne Ausweis keine Existenz
dennoch blieb ihr die Resistenz.
Im Sommerkleid, alles andere los zu sein
schlief sie mit der Ziege daheim.
Im Mai war es noch warm
aber als der November kam
war eine Decke schon zu arm.
Da stand sie allein in Pressburg
als ihr Schutzengel erschien.
Sie konnte endlich ruhig schlafen
im Michaelertor fand sie einen Hafen.
Jede Arbeit war ihr gut
wie auch jede Hilfe besser tut.
Die Familie des Weingärtners zog um
und es war das Beste zu tun:
Das Mädchen ohne Bett
war wieder komplett.
Es waren die beste Weihnachten
wie alle ihr Leben lang dachten.
Der Christbaum aus Tannenzweigen
war das Schönste in der Schöndorferstraße zu zeigen.
Damals war sie arm wie eine Kirchenmaus
und heute gehen ihr die Erinnerungen daran nicht aus.

Lucia Vláčilová (traf Frau Stolárová vom Karpatendeutschen Verein in Bratislava/Pressburg)

http://www.karpatendeutsche.de/?Willkommen

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In Bildern: Ein Besuch bei den Karpatendeutschen

https://drive.google.com/file/d/1v5zXuHK2MCgPHME5EtYEEb9kdOGXo_lM/view

Beitragsbild: Karte „Karpatendeutsche Siedlungsgebiete in der Slowakei“ – (c) Haus der Heimat/ VLÖE

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