Bauern brauchen zum Überleben Wertschätzung und -schöpfung

20. Februar 2020

Tirols Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl sprach vergangene Woche im Bundesrat über den Grünen Bericht 2019 und seine Bedeutung für die heimische Landwirtschaft.

Der Grüne Bericht gilt als umfassendes Nachschlagewerk über die Situation der Land- und Forstwirtschaft. Er beleuchtet die Einkommens-, Sozial- und Wirtschaftssituation der Landwirtschaft. Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl zieht sein Fazit daraus: „Der Landwirtschaft geht es nicht besonders gut." Doch er präsentierte bei seiner Rede vor dem Bundesrat auch mögliche Lösungen für ein Wohlergehen der Bauern.

Agrarförderung beibehalten
„Die Landwirtschaft und vor allem die Forstwirtschaft sind das erste Opfer des Klimawandels: Hitze, Wassermangel einerseits, Starkregen, Sturm, Schneedruck, Käferbefall andererseits führen zu starken Ertragsausfällen; Futterknappheit und damit verbunden erhöhtes Schlachtaufkommen führen natürlich zu sinkenden Preisen im Tierbereich und sinkenden Einkommen über alle Betriebsformen hinweg: vom Bergbauernbetrieb in Tirol bis hin zum Forstwirt im Waldviertel", berichtete Raggl über die Abhängigkeit der Landwirte von den gewährten Leistungsabgeltungen und Ausgleichszahlungen der EU, des Bundes und der Länder.
„Diese Ausgleichszahlungen waren und sind absolut notwendig und werden das auch zukünftig sein, damit wir in Österreich eine funktionierende bäuerliche, flächendeckende Landbewirtschaftung aufrechterhalten können. Wollen wir in Österreich weiterhin eine flächendeckende Landwirtschaft vom Burgenland bis nach Vorarlberg, so brauchen wir weiterhin diese agrarischen Leistungsabgeltungen, und das zumindest in der bisherigen Höhe", bekräftigte der Abgeordnete.

Nachfragen bei Lebensmitteln
„Die Politik kann vieles versuchen, um da die Rahmenbedingungen vorzugeben. Was aber die Politik nur sehr schwer beeinflussen kann, ist das Einkaufsverhalten der heimischen Gastro-Großhändler, der Hoteliers, aber auch der Konsumenten", verdeutlichte Raggl auch die Dringlichkeit einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung. Für ihn ist klar, dass jeder einzelne gefordert ist: „Mein Appell: Greifen wir im Regal zu hochwertigen heimischen Produkten und fragen wir beim Außerhauskonsum in Kantinen, aber auch bei unserem Wirt nach, woher die verkochten Produkte kommen." Fairness sollte zwischen den Partnern Tourismus und Landwirtschaft herrschen: „Es gibt Rekordzahlen im Tourismus. Es läuft da sehr gut und ich würde appellieren, dass wir unsere heimische Landwirtschaft auch daran partizipieren lassen."

Land profitiert von Bauern
Zuletzt ging Raggl auf die Umverteilung der Gelder für die ländliche Entwicklung ein, welche die SPÖ gefordert hatte. „Das würde natürlich eine Kürzung der Gelder für die Landwirtschaft bedeuten. Wenn die SPÖ ein bisschen nachdenken würde! Wenn sie sagt, nur 4,5 Prozent der Bevölkerung profitieren von diesen Geldern des Programms für die ländliche Entwicklung, dann müsste sie erkennen, dass eigentlich der Rest jener 70 Prozent, die im ländlichen Raum wohnen, genau von diesen Geldern profitiert", kritisierte Bauernbunddirektor Raggl. Die gesamte ländliche Bevölkerung profitiere von der Landwirtschaft, die nicht nur Landschaftspflege und somit auch Katastrophenschutz betreibt, sondern auch hochwertige Lebensmittel produziert und für Beschäftigung im peripheren Raum sorgt.