Foto: Zum Vortrag von Forum Land vergangene Woche in Längenfeld fanden sich Bauernbund-direktor BR Peter Raggl, Franz Lanschützer von der LK Salzburg, NR Hermann Gahr, Johann Jenewein von der Zeitschrift „Alm- und Bergbauer", Vbgm. Reinhold Hausegger und Magnus Gratl, Forum-Land-Bezirksobmann, als Initiatoren und Vortragende ein.

Aktiv aufklären über das Raubtier Wolf

19. April 2018

Bisher gab es noch keine Sichtung des Wolfes im Ötztal und dennoch gewinnt das Thema „Wolf im Alpenraum" an Brisanz. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass Tirol vom Wolf umkreist ist. Es gibt derzeit in Europa bereits über 20.000 Wölfe und sowohl in der Schweiz, in Bayern als auch in Südtirol und dem Trentino kommt es vermehrt zu Wolfrissen.

„Es ist deswegen nur eine Frage der Zeit, bis die Wölfe auch zu uns nach Tirol kommen. In 24 Stunden legt ein Wolf 72 km auf seiner Nahrungssuche zurück und die Population verdoppelt sich beim Wolf alle drei Jahre", erklärt der Initiator der Veranstaltung, Forum-Land-Bezirksobmann Magnus Gratl und ergänzt: „In Deutschland waren es in den Jahren 2015/16 noch 47 Rudel, 2016/17 waren es bereits 60 Wolfsrudel."

NR Hermann Gahr hat sich auf Bundesebene des Themas Wolf angenommen. „Leider ist es derzeit so, dass es relativ wenig Information und sehr viel Emotion gibt. Derzeit kann keiner vorhersagen, wann der Wolf über die Landesgrenzen zu uns kommt, aber der Konflikt ist bereits jetzt vorprogrammiert. Deswegen setzen wir mit Forum Land bereits jetzt auf Aufklärung und forcieren auf Bundesebene die Erarbeitung eines gemeinsamen Strategieplanes. Unsere Ziele sind, die Realitäten fachlich fundiert aufzuzeigen und Betroffene in die Diskussion einzubinden – und damit meinen wir nicht nur Bauern und Jäger, sondern vor allem auch Touristiker und Freizeitsportler. Ziel muss es sein, den sehr hohen EU-Schutzstatus dieser Tiere anzupassen und somit ein sinnvolles Wolfsmanagement früh genug in Kraft treten zu lassen", zeigt Gahr die konkreten Ziele auf und verweist auf die Tatsache: „Ehrlicherweise muss man sagen, dass derzeit Info, Dialog und die Betroffenheit in Tirol noch fehlen. So lange das so ist, tun wir uns schwer mit der Umsetzung unserer Ziele."

Almwirtschaft und Tourismus betroffen
In Tirol gibt es rund 2100 Almen. Besonders leichte Beute stellen für den Wolf die ca. 100.000 Schafe dar, die dort ihre Sommerfrische verbringen. „Das Problem ist das Jagdverhalten des Wolfes. Während andere Beutegreifer wie z B. Bär, Luchs oder Adler sich ein Tier aussuchen, es erlegen und dann fressen, findet der Wolf bei der Jagd auf Schafe eine besondere Freude am Reißen. Somit haben wir das Problem, dass pro gemeldetem Fall oftmals mehrere Tiere gerissen werden", schildert Gratl. Er betont, dass es Schutzmaßnahmen gibt. „Diese schränken aber unser Nutzungsverhalten ein. Herdenschutzhunde beispielsweise schützen die Herde – egal ob der Wolf kommt oder ein Gast", erklärt Gratl und weist damit auf die Betroffenheit in Tourismusregionen hin.

„Mit Wolfrissen geht großes Leid und Qual einher. Was dem Bauern dann noch bleibt, ist eine Entschädigung des Fleischwertes, der sich bei einem Lamm beispielsweise bei 20 bis 30 Euro bewegt, wobei der Zuchtwert des Tieres ein ungleich größerer gewesen wäre. In Tirol ist die Anzahl der aufgetriebenen Almtiere bereits jetzt rückläufig. Auch wenn diese Bewegung schleichend ist und vielleicht in den ersten Jahren nur den Bauern auffällt, wenn unsere Almen sterben, verwuchert unser Land, was für die touristische Nutzung fatal wäre", so Gahr. BR Dr. Peter Raggl konkretisiert: „Von der Wiederansliedlung des Wolfes in Tirol ist vor allem die kleinstrukturierte Berglandwirtschaft betroffen − die Almwirtschaft wäre massiv gefährdet."

„Der Wolf ist ein Raubtier und hat in den dicht besiedelten und stark touristisch genutzten Alpen keinen Platz mehr. Wir setzen weiterhin auf Aufklärung, damit wir gemeinsam eine Auflockerung des strengen EU-Status für bestimmte Regionen in Europa erreichen können", so Gratl abschließend.